Programmtipp für heute: „Heimatleuchten“ um 20.15 Uhr-Servus TV

Zeitzeuge Otto Irschik, auf dem Bild mit Kraftwerksleiter Erich Binder, berichtet von seinen Erlebnissen beim Bau des Kraftwerks OTTENSTEIN. Er erinnert sich an die knochenharte Arbeit auf der Baustelle.

Der 22-jährige Otto Irschik aus Waidhofen an der Thaya begann im Jahr 1954 – nur eine Woche nachdem er seine Frau geheiratet hat – auf der Baustelle des Kraftwerks als Baustellenelektriker zu arbeiten. Der heute 88-Jährige erinnert sich zurück: „Bei der Elektrofirma, bei der ich damals angestellt war, habe ich gekündigt, weil irgendwer hat mir gesagt du musst zum Kampkraftwerk fahren, da gibt es jede Menge Arbeit und Überstunden, da kannst du gutes Geld verdienen.“
Seine Frau packte ihm den Rucksack und mit dem Zug ging es von Waidhofen nach Zwettl, dann mit dem Bus weiter nach Peygarten und von dort zu Fuß zum Kraftwerk.


Hartes Leben auf der Baustelle

„Drei Jahre bin ich auf der Staumauer herumgeturnt. Wir haben von 7 Uhr früh bis 7 Uhr abends gearbeitet, oft auch 24 Stunden am Stück. Einmal waren es sogar 36 Stunden. Da schläfst du schon im Stehen in den Stiefeln“, erzählt Otto Irschik vom rauen Leben auf der Baustelle. „Um Mitternacht ist gesprengt worden und dann sind Steine geflogen, so groß wie ein Tisch! Bis hinauf zu unseren Baracken. 32 Kisten Gelatine Donarit hatten die auf einmal geladen.“
Zu seiner Frau ist er erst nach 42 Tagen das erste Mal wieder heimgefahren, ohne Erlaubnis vom Chef – denn die Arbeiter lebten in Baracken auf der Baustelle. Mehrere hundert Menschen arbeiteten Tag und Nacht im Hochbetrieb.

Ein tragisches Erlebnis ist dem pensionierten Elektriker nach über 60 Jahren noch immer gegenwärtig: „Einmal bin ich mit einem Freund mit einem Schinakl raus auf den Stausee baden gefahren. Er springt rein und kommt nicht mehr hoch – ich dachte mir ‚das gibt’s ja nicht der kann ja nicht so tief tauchen, nach zwei Metern wirds stockdunkel‘. Wir haben ihn nicht mehr gefunden. Nach 18 Tagen hat es ihn an der Mauer angeschwemmt.“

Er selbst hatte großes Glück und ist mehrmals dem Tod entronnen, wie zum Beispiel als er eines nachts an der Staumauer herumkraxelte, um ein heraushängendes Stromkabel zu holen und plötzlich ein Kabelkran über ihm entleerte. „Ich hab mir noch schnell den Kopf mit meinen Armen geschützt, wir hatten ja keine Helme. Meine Armbanduhr war durch die fliegenden Steine sofort hin. Es war ein Wahnsinn, was sich damals abgespielt hat.“
Das Kraftwerk wurde nach drei Jahren Bauzeit am 6. Juli 1957 eröffnet.

Aus „meinbezirkzwettl“

 

Dreharbeiten für ServusTV

Für den Fernsehsender ServusTV wurde bei einem Rundgang durch das Kraftwerk Ottenstein mit dem Zeitzeugen Otto Irschik, Werksleiter Erich Binder und der Moderatorin Conny Bürgler ein Beitrag für die Heimatleuchten-Sendung „Freigeister am Kamp – unterwegs am krummen Fluss mit Conny Bürgler“ gedreht.
Conny Bürgler trifft auf ihrem Streifzug durchs Kamptal auf Pioniere, Freigeister und kreative Köpfe. Erich Binder ist gar nicht mehr zu bremsen, wenn er beim Kraftwerksrundgang erklärt, wie der Strom in die Steckdose kommt. Man muss genau aufpassen, will man seinen Ausführungen zwischen den riesigen Turbinen, Druckleitungen und Umspannanlagen folgen. Genauso achtsam müssen die Kraftwerksmitarbeiter beim Kontrollgang im Inneren der riesigen Staumauer sein – hier geht’s um Millimeter, wenn mittels eines Lots die Dehnung und Schwankung der Staumauer gemessen wird.

Kraftwerk Ottenstein -Panorama

Zur Sendung

Ein kurviger Flusslauf, sanfte Hügel und schmucke Dörfer – das Kamptal bezaubert nicht nur mit seiner schlichten Schönheit, sondern hat auch jede Menge kreative Köpfe und Freigeister zu bieten. So trifft Conny mit Ernst Kienesberger einen Spiegelmacher, der eigentlich nicht mehr will und im Sammeln von Kronleuchtern seine neue Passion gefunden hat.
Sie lernt im Kraftwerk Ottenstein Pioniere der Stromversorgung kennen und mit Konservenproduzent Stefan Grossauer einen Geschmacksphilosophen, bei dem das Gemüse am Morgen noch frisch und am Abend schon im Glas ist.
Warum es in Nonndorf in der Wollschmiede klappert und knarrt und was ein Wolltattoo ist, erfährt Conny von Weberin Barbara Schmidt.
Überwältigend ist das richtige Wort, wenn man vor dem Anwesen von Angelina und Heinz Winkler steht. Die beiden haben das Unmögliche möglich gemacht – einen Getreidespeicher aus dem 17. Jahrhundert vor dem Verfall bewahrt und zum stilvollen Heim gewandelt.
Bei Hadersdorf wird der Kamp zum Mühlkamp. Hier pflegt die Familie Neumayr in vierter Generation das seltene Handwerk des Müllers – und die fünfte Generation steht mit den Söhnen Peter und Paul schon in den Startlöchern!
Begleitet wird Conny auf ihrer Flussreise diesmal auf humorvolle Art: die Gruppe Faltenblech würzt Connys Begegnungen mit fröhlich-frechen Gstanzln!
Die Sendung wird am Freitag, 23. Oktober 2020 um 20:15 Uhr bei ServusTV ausgestrahlt.

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