August DÖTZ, ein bedeutsamer Politiker starb vor 100 Jahren

August Dötz, geb. 1844 in Döllersheim, gestorben 1912

Gastwirt und Realitätenbesitzer in Allentsteig, Großdeutscher, Freund Schönerers (Schloss Rosenau), Bürgermeister von Allentsteig , Ehrenbürger von Allentsteig, Landtagsabgeordneter, Reichsrat, Eisenbahnrat, zum Ackerbauminister vorgeschlagen.

1874 wird Gastwirt August Dötz, der bereits mit 24 Jahren erster Gemeinderat war, zum Bürgermeister von Allentsteig gewählt. Wie sehr er sich für Allentsteig engagierte, zeigte sich schon in seiner Zeit als Gemeinderat. Als am 23. März 1873 die Stadtfeuerwehr ins Leben gerufen wurde, zählte August Dötz zu den Gründungsmitgliedern. Er übernahm die Funktion des Kommandantenstellvertreters und von 1876 – 1879 war August Dötz Kommandant der Stadtfeuerwehr.

Wie nötig und wichtig eine Feuerwehr war, wussten nicht nur die Bewohner, sondern auch die Familie Dötz nach leidvoller Erfahrung zu schätzen. Als 1865 einer der gefährlichsten Brände wütete und eine ganze Häuserzeile vernichtete, fiel auch das Gasthaus Dötz den Flammen zum Opfer. Und ein Jahr zuvor war der Vater gestorben!

In den Beginn seiner Amtszeit als Bürgermeister fällt die Eingemeindung der vormals selbstständigen Vorstädte „Oberndorf“ und „Fünfhaus“ und die Neunummerierung der Stadt. Um den drohenden Verlust des Bezirksgerichtes zu verhindern,  erfolgte 1883 der Bau des Amtshauses und 1888 gelang es ihm, die geplante Errichtung eines Landes-Siechenhauses (heute Landesjugendheim) für Allentsteig zu erreichen.

Als die Franz Josefs- Bahn 1869 eröffnet wurde, ging sie nicht nur zirka zwei Kilometer an Allentsteig vorbei, für die Stadt gab es auch keine Haltestelle. Bürgermeister August Dötz erreichte eine eigene Personenhaltestelle, die „Alte Haltestelle“ und als 1891 die großen Kaisermanöver mit 71.000 Mann im Waldviertel stattfanden, setzte er auch den Bau des Bahnhofes in Thaua durch. Und am Allentsteiger Hauptplatz trafen Kaiser Franz Joseph, Kaiser Wilhelm II., König Albert von Sachsen und viele hohe Militärs zusammen.

Zum 50-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph wurde das sog. Jubiläumshaus errichtet. Gendarmerie, Finanzwache, drei Klassen der mittlerweile auf sieben Klassen erweiterten Schule und den Kindergarten fand man dort.

1902 wurde Allentsteig elektrifiziert, und zwar errichtete die Stadt ein eigenes Elektrizitätswerk. Das Gleichstromaggregat wurde von einer Dampfmaschine angetrieben und war von 18 bis 23 Uhr in Betrieb. Batterien speicherten Gleichstrom.

Zu den bedeutsamen Leistungen von August Dötz zählte auch der Straßenbau – alle Straßen und Gassen in Allentsteig wurden gepflastert und als Obmann des Bezirksstraßenausschusses gelang es ihm, alle Orte des Bezirkes Allentsteig durch Straßen miteinander zu verbinden, um  Allentsteig als Mittelpunkt des Bezirkes von allen Seiten her leicht erreichbar zu machen. Auch beim Ausbau der Nebenbahnen nach Zwettl und Waidhofen/Thaya spielte August Dötz eine bedeutende Rolle.

1903 wurde auf der „Scheibn“, wo heute der Kindergarten zu finden ist, ein „Verschönerungsvereinspark“ angelegt. Für die vielen Sommergäste aus Wien gab es dort auch einen großen Saal des Gasthofes Dötz mit zwei Kegelbahnen und zur Unterhaltung Kino- und Theatervorstellungen. Und jeden Sonntag spielte eine k.k. Militärkapelle auf.

1907 legte August Dötz das Bürgermeisteramt zurück, führte – von schwerer Krankheit gezeichnet – ein zurückgezogenes Leben und 1912 starb „Vater Dötz“, wie er von den Allentsteigern genannt wurde.

Bgm. August Dötz

Grabstätte auf dem Allentsteiger Friedhof

1 Kommentar zu „August DÖTZ, ein bedeutsamer Politiker starb vor 100 Jahren“

  1. DI Kurt Descovich sagt:

    Vielen Dank für diesen schönen Beitrag! August Dötz war mein Urgroßvater, seine jüngste Tochter Philippine (Pina), verheiratet mit Korvettenkapitän Emo Descovich, meine Großmutter – das jüngste von zwölf Kindern, von denen sechs das Säuglingsalter überlebt haben.
    Die Töchter des August Dötz sind Franziska (kinderlos), Auguste (Familie Schaich), Lina (Familie Pechaczek, Liebscher), Rosa (Familie Kautzky, Neuhold) und Pina (Familie Descovich). Sohn Josef Dötz hatte eine Tochter, die früh verstarb.
    Die Dötz-Nachkommen treffen einander am kommenden Samstag, dem 3. Mai, im Gasthof Mayer in St. Leonhard am Hornerwald zu einem traditionellen, leider viel zu selten stattfindenden Großfamilien-Beisammensein.
    Ich selbst wohne seit meiner Pensionierung im Jahre 2012 im ehemaligen Haus meiner Großmutter auf der Scheib’n, Schaichgasse 11, wo ich glücklich bin und meinen Steckenpferden (Kochen, Gitarrenbau, Sonnenuhren, Astronomie, technische Entwicklungen) nachgehen kann.

    Liebe Grüße
    Kurt Descovich

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