Priesterjubiläum von Stadtpfarrer GR Mag. Janusz Drelichowski

Im Dom von Wroclaw in Polen fand vor 45 Jahren die Priesterweihe statt. Mit mir wurden noch 29 Diakone zum Priester geweiht.

Zwei Monate nach der Weihe wurden die Kapläne zu den verschiedenen Pfarren verteilt. Bis zur Entscheidung als Missionar und Helfer in Österreich zu wirken, war ich in fünf Pfarren als Kaplan und in zwei Pfarren als Pfarrer tätig.

Am 10. Oktober 1982 bei der Heiligsprechung von Pater Maximilian Kolbe in Rom wurde die Entscheidung reif und mit Erlaubnis meines Bischofs bin ich sofort nach St. Pölten gekommen und wurde am 15. Oktober 1982 für die Pfarre Gottsdorf bestellt. Am Missions-Sonntag (17. Oktober 1982) wurde ich als Kaplan für die Pfarre Gottsdorf vorgestellt. Die Pfarre hatte einen betagten Priester und betete tüchtig um einen eigenen Pfarrer. So wurden damit die Gebete erfüllt. 13 Jahre wirkte ich fleißig – ab Juni 1983 schon als Pfarrer – besonders bei der Feier „850 Jahre Pfarre Gottsdorf“.

1995 wurde ich zur Pfarre Großgöttfritz versetzt und wirkte erfolgreich bis 2007.  Besonders der Pfarrgemeinderat und manche Mitglieder des Pfarrkirchenrates fanden große Freude an der Zusammenarbeit mit dem Pfarrer. So konnten wir ein ganz neues Pfarrheim bauen, die Kirche außen und innen renovieren, sogar einen Hochaltar in den leeren Altarraum nach der Renovierung installieren. Die Marktgemeinde hat die Erfolge mit dem „Goldenen Ring“ und die Diözese mit dem Titel „Geistlicher Rat“ anerkannt.

Am 23. September 2007 habe ich die verwaiste Pfarre Allentsteig übernommen und bete und kämpfe noch um die Besetzung durch einen Priesternachfolger, dass die Pfarre Allentsteig nicht wieder verwaist bleibt.

Lebenslauf

Die Stadt meiner Kindheit hatte sieben Namen. Im Lauf der Jahrhunderte haben sieben Volksgruppen, die in ihr gelebt ha-ben, den Namen in ihrer Sprache geschrieben und gesprochen. Heute heißt sie ukrainisch L’viv, als ich geboren wurde, hieß sie polnisch Lvòv, zu Deutsch Lemberg. Im Laufe ihrer Ge-schichte war diese Stadt Russisch, Polnisch, Ukrainisch, Ös-terreichisch und sogar kurze Zeit Ungarisch. Eine Stadt mit vier Universitäten und tausenden Studenten, die Stadt in der ein Apotheker die erste Petroleumlampe der Welt, damals eine epochale Erfindung, bei einer Operation im Spital eingesetzt hat. Unter den weit über hundert Namen berühmter, in Lemberg geborener Persönlichkeiten, finden sich Komponisten, Musiker, Dirigenten, Mediziner,  Physiker und Mathematiker, die in al-ler Welt gewirkt und gelebt haben.

Als ich am Sonntag, dem 17. März 1940 in Kozielniki, einem Vorort vom Lemberg als Sohn eines Arbeiters und einer Hausfrau zur Welt kam, war die Stadt seit einem Jahr wieder einmal nicht mehr polnisch. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt über die Teilung Polens waren 1939 die Russen einmarschiert und die Stadt lag plötzlich in der ukrainischen Sowjetrepublik.

Nach dem Krieg begann erst die richtige, verwaltungstechnische Eingliederung der ehemals polnischen Gebiete in die nun zur Sowjetunion gehörende Ukraine. Meine Eltern aber fühlten sich als Polen und vor die Wahl gestellt, die sowjetische Staatsbürgerschaft anzunehmen oder auszuwandern, haben sie sich für Polen entschieden. Über Nacht haben wir, meine damals drei Geschwister, die Eltern und ich das Einfamilienhaus, das meine Eltern 1938 gebaut hatten, verlassen müssen. Nur so viel als wir tragen konnten, durften wir mitnehmen nach Wroclaw, Breslau, in den Rest von Polen, der nach der Teilung übrig geblieben war.

Nach dem Krieg war Wroclaw eine teilweise entvölkerte Stadt. Die Juden waren verschleppt und ermordet, die Breslauer Deut-schen vertrieben. Für Vater, der ursprünglich Elektromonteur im Lemberger Kraftwerk war und damit eine gut bezahlte Stellung hatte, gab es im Breslau der Nachkriegszeit keine passende Arbeit. Wir mussten unser Leben in einer viel zu kleinen Wohnung fristen. Umso mehr als nach der Vertreibung 1947 noch ein Bruder auf die Welt kam.
Weil ich, um die Mutter zu entlasten, diesen jüngeren Bruder betreuen musste, konnte ich erst mit acht Jahren, um ein Jahr verspätet, mit dem Schulbesuch beginnen. Während meiner Schul-zeit hat sich unsere Familie noch einmal um zwei Schwestern vergrößert. Am Ende waren wir sieben Kinder. Dass ich unter diesen Umständen die Matura machen und danach Theologie studieren konnte, danke ich meinen Eltern heute noch.

Die deutschen Volkslieder mit ihrer Melodie haben mich schon in der Oberstufe des Gymnasiums fasziniert und es war nahelie-gend, die dazu gehörige Sprache zu lernen. Deutsch als Fremdsprache war in einem Breslauer Gymnasium ein Freigegenstand. Mit 17 Jahren habe ich begonnen Deutsch zu lernen und habe immerhin mit der Note „Gut“ in Deutsch als Fremdsprache maturiert.

Und eines war auch schon klar: Ich würde Priester werden. Wir Polen sind religiös, meine Eltern waren es und ich bin es ebenfalls schon seit meiner frühen Kindheit gewesen. Eigentlich waren die Studenten der Priesterseminare vom Militärdienst befreit, aber darum haben sich die Kommunisten nicht viel gekümmert. 1962 ist der Einberufungsbefehl zum polnischen Militär gekommen und ich musste einrücken. Rückblickend gesehen, hatte ich damit sogar Glück; seither habe ich einen Führerschein und ich kann mit einem Gewehr umgehen, ohne jemals auf etwas anderes als auf eine Scheibe geschossen zu haben.

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